England-Roadtrip: im Frühling durch Süd-Ost-England
England geht ja bekanntlich immer und dieses Jahr wollten wir mal ein paar neue Ecken kennenlernen und haben uns so für einen 10-Tage England-Roadtrip durch den Süd-Osten des Landes entschieden. Zum Ende des Urlaubs haben wir noch 2,5 Tage London mit eingebaut – etwas zu kurz, wenn ihr ggf. noch nie in London wart, aber für Wiederholungstäter besser als gar kein London.
Tag 1 + 2: Cambridge
Wir sind vormittags in London Heathrow angekommen, haben unseren Mietwagen geholt und sind direkt nach Cambridge gefahren, der Stadt mit der berühmten und rennomierten University of Cambridge aus dem Jahr 1209. Ich war schon immer ein riesen Fan von alten Universitäten – zu der Uni of Cambridge gehören sogar 31 Colleges und somit ist man allein mit dem Besuch der schönsten Gebäude ordentlich beschäftigt, Einige Colleges sind offen für euren Besuch, anderen benötigen Anmeldungen, wiederum Andere sind für die Öffentlichkeit leider geschlossen (vorher bestenfalls informieren, wann ihr wo kostenfrei reinspitzen könnt und wo ihr ggf. eine geführte Tour buchen müsst).
Essen und Trinken:
– Kaffee bei Bould Brothers Coffee oder Blank Street Coffee
– Abendessen im The Ivy (eine Kette, aber immer gutes Essen)
– bei Lust auf BBQ ab ins Smokeworks (am schönsten sitzt man in der Bar)
– Bierliebhaber können sich bei Brewboard durch das Angebot testen
Punting:
Wir haben uns aus all den etlichen Anbietern für „Let’s Go Punting“* entschieden und haben es nicht bereut. Jake hat uns sicher mit dem Boot an den Unis vorbei maneuvriert (was nicht einfach war, denn es war die absolute Hölle los am Karfreitag auf dem Wasser). Dazu gibt es viel geschichtliches Wissen und auch ihr könnt bei Interesse Fragen stellen. Auch wenn es kein ganz günstiges Erlebnis ist, empfehle ich es auch trotzdem, weil man vom Wasser einfach viele Sehenswürdigkeiten sieht und es eine absolute Besonderheit in Cambridge ist. Viele dieser Gebäude und Unis könnt ihr nur vom Wasser aus sehen, weil der Besuch bei den Meisten nicht für die Öffentlichkeit möglich ist.
Übernachtung:
Wir haben im Holiday Inn Express Cambridge übernachtet – mit dem Bus in ca. 10 Minuten in die Innenstadt. So konnten wir das Auto am Hotel stehen lassen und sorglos ohne Blick auf die Parkuhr die Stadt erkunden. Frühstück gibt es im HIE immer kostenfrei mit dazu. Das Hotel war sauber und die Mitarbeiter super freundlich, wenn auch schon etwas in die Jahre gekommen. Preis-Leistung hat aber gestimmt.




Tag 3 Vormittag: Lavenham
Ich war mir gar nicht mehr sicher, wie ich auf diese Kleinstadt aufmerksam geworden bin, aber ich hatte sie schon lange auf meiner Liste. Vor Ort war dann klar: es kommt uns doch irgendwie bekannt vor und nach kurzer Recherche haben wir erfahren, wir sind in „Godrick’s Hollow“ aus den Harry Potter Filmen gelandet.
Berühmt ist Lavenham für seine Fachwerkarchitektur und für seine bereits um 1530 vollendete Pfarrkirche. Rund 2 Stündchen reichen völlig aus um das kleine Örtchen zu erkunden. Wer vormittags ankommt, dem empfehle ich (wie wir) im „The Swan“ einen Tisch zum Mittagessen zu reservieren. Wir hatten das Glück am Sonntag hier zu sein und konnten einen leckeren Sunday Roast genießen. Das Restaurant ist in einem historischen Gebäude und mal fühlt sich direkt ins Mittelalter zurück versetzt. Ausserdem sind einfach alle Menschen dort purer Zucker und man fühlt sich selbst als Tourist einfach total wohl.



Tag 3 Nachmittag: Colchester
Vorweg: Muss man mal in Colchester gewesen sein? Wohl eher nicht, denn leider verliert die Innenstadt dank tausender Barber-Shops und Vape-Läden etwas an Seele, wo die Architektur eigentlich so viel mehr geben könnte. Trotzdem ist Colchester erwähnenswert, da es zum Einen die erste urkundlich erwähnte römische Siedlung, und später Stadt, Großbritanniens ist. Zum Anderen wird vermutet, dass das heutige Colchester das damalige Camelot aus der Artus-Sage ist… fand ich spannend.
Mit einer über 2.000 Jahre alten Geschichte hatten wir uns von der Stadt zwar etwas mehr erhofft – sehenswert war Colchester Castle und die Ruinen der St. Botolph’s Priory, die frühere Niederlassung der Augustiner-Chorherren.
Übernachtung:
Um etwas Strecke zu machen haben wir hier nach Colchester noch den Weg bis zum Holiday Inn Express Dartford (2*) auf uns genommen. Perfekte Ausgangslage, um am nächsten Tag in etwas weniger als 1h bereits in Canterbury anzukommen. Wenn auch hier Preis-Leistung vollkommen ok war, kann ich das Hotel nur bedingt empfehlen. Für eine Nacht total ok, aber wohlfühlen geht anders.
Wichtig vorab zu wissen: Wenn ihr auf der M25 fahrt, kann es sein, dass ihr über die Queen Elisabeth II Bridge fahrt, die 3,75£ Maut kostet (Stand April 2026) – diese müsst ihr online vorab oder bis Mitternacht am Folgetag online mit KFZ-Kennzeichen bezahlen. Einfach nach dem Namen der Brücke googeln.
Tag 4 + 5: Canterbury
Canterbury ist eine richtig süße, englische Kleinstadt, die man wunderbar zu Fuß erkunden kann und in eurem England-Roadtrip nicht fehlen darf. 1 – 1,5 Tage sind auch hier total ausreichend. Also ein Tagesausflug von London aus, wäre auch möglich.
Die Innenstadt ist bestückt mit alten Häusern im Tudor-Stil und tollen kleinen Gässchen, die zum flanieren einladen. Auch die Parks wie z.B. Westgate Gardens solltet ihr euch nicht entgegen lassen. In der Stadt kann man kleine Wege entlang des Great Stour (Fluss) laufen und etwas weg vom Trubel der Innenstadt die Ruhe genießen. Teils auch richtig verwunschen. Auch Canterbury bietet verschiedene Punting-Touren an – lange nicht so überfüllt wie in Cambrige, dafür solltet ihr weit im Voraus reservieren. Wir haben leider keine Tour mehr ergattern können, da aufgrund des schönen Frühlingswetter alles ausgebucht war.
Mitttig thront die Canterbury Cathedral*. An diese kommt man tatsächlich nur mit gültigem Ticket – dafür kann man aber nicht nur die atemberaubende Kathedrale besichtigen (mit einer weiblichen Bischöffin, seit März 2026), sondern auch das Areal drum herum – was gut 2-3h Zeit in Anspruch nehmen kann.
1988 wurde das Bauwerk aus Gotik und Romantik zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Ihr könnt die gesamte Kathedrale von innen und aussen bewundern, inklusive Besuch in der Krypta und den Gärten. Ob man nun religiös ist oder nicht, der Besuch war atemberaubend und daher sehr empfehlenswert.
Läden:
– 2nd Hand Buch-Fans sollten sich im The Crooked House umschauen, allein schon wegen der krummen Wände allein (aber vorsicht, hier kann es einem schnell schwindelig werden)
Essen:
– ein muckeliges Pub mit Vorliebe für Hunde ist das Thomas Beckett
– berühmt für seine Pies (und dem Bauwerk selbst) ist das Old Weavers House
– gut frühstücken könnt ihr im Fallstaff Hotel
Übernachtung:
Wir haben uns für das zentrale Falstaff Hotel (3*) entschieden. Wir können das Hotel auch nur empfehlen, weil die ganze Stadt von hier aus zu Fuß zu erkunden ist. Von Aussen eher unscheinbar, von innen aber wundervoll, alt-englisch mit gemütlichen Zimmern und wundervollem Frühstück. Das Hotel hat hinter dem Haus für £15 einen eigenen Parkplatz (first come, first serve) – die Parkplätze in der Stadt sind definitiv teurer.




Tag 5: Ausflug zum Dover Castle und den White Cliffs of Dover
Dover liegt gerade mal 30 Minuten von Canterbury entfernt und somit haben wir am Vormittag/Mittag einen Ausflug dorthin gemacht, sind aber abends wieder nach Canterbury zurückgekehrt.
Wir haben uns direkt um 10 Uhr bei der Öfnnung das Dover Castle* angesehen und uns völlig verschätzt, wie groß das Arreal ist und wie viel es dort zu sehen gibt. Wir dachten mit 2h wären wir sicher durch, haben dann aber doch fast 4,5h dort verbracht. Es gab 2 geführte Touren durch Tunnels und ein altes Krankenhaus – alles unterhalb des Castles. Und natürlich das Castle selbst mit seinen Räumlichkeiten und Abtei. Allein der Ausblick auf’s Meer ist hier schon toll! Dazu lernt man nicht nur die Geschichte des Ursprungs von Dover Castle, sondern auch sehr anschaulich die neuere Geschichte zu Dunkirk – die waghalsige Rettung der alliierte Soldaten aus Dünkirchen in Frankreich im Mai 1940, beim Vormarsch Hitlers. Wie ich finde nicht unbedingt kindgerecht, aber ich hatte den Eindruck den Kids haben die Filme und Co. nicht so zugesetzt wie mir 😉 Alles in allem zwar sehr bedrückend und traurig, aber auch spannend und definitiv einen Besuch wert.
Am Nachmittag sind wir 10 Minuten weiter zu den White Cliffs of Dover gefahren, um uns einmal kurz den Atem rauben zu lassen. Der Wanderweg von Parkplatz bis Leuchtturm beträgt eine gute Stunde (auf der weder Abfalleimer noch Toiletten zu finden sind). Irgendwie erwartet man in England nicht unbedingt karibische Wasserfarben, aber durch die Sonne und die weißen Kreidefelsen, hatte man das Gefühl man sei ganz wo anders. Wir haben £5 Eintritt bezahlt und fanden eigentlich, dass es mehr wert war. Dadurch, dass wir erst am Nachmittag dort waren, sowie unter der Woche, war es angenehm leer.
Am Parkplatz gibt es neben Toiletten auch ein Café und (wer hätte es gedacht) eine große Auswahl an 2nd Hand Büchern, falls ihr hier überhaupt zum Lesen kommt. Auch am Leuchtturm gibt es WC, ein Café und vor allem einen tollen Ausblick.




Tag 6: Seven Sister Cliffs bis Rottingdean
Auf dem Weg Richtung Brighton halten wir bei den Seven Sister Cliffs. Wunderschöne Kreidefelsen (7 an der Zahl), die direkt am Meer vielen Vögeln ein zuhause geben und eine wundervolle Strandkulissse sind. In diesem Fall hat es keinen Eintritt gekostet und das hat man leider auch bemerkt – gerade der Beginn des Cliffwalks war wirklich überfüllt mit Besuchern – für meinen Geschmack hat das etwas die Magie genommen, aber ja, wir waren ja auch mittendrin. Es lohnt sich also auch hier den Leuchtturm als Ziel anzusteuern (wer Zeit hat kann sogar in beide Richtungen noch weiter laufen), denn je weiter man geht, desto „dünner“ wird es mit anderen Besuchern. Und hier gab es am Leuchtturm dann auch einen super netten Kiosk-Verkäufer der mit Eis für unsere Abkühlung gesorgt hat. Toiletten gab es allerdings nur unten am VisitorCenter und da hat man schon auch gut Zeit einplanen müssen. Vielleicht lieber sehr früh oder recht spät am Tag kommen.
Mein Highlight im April: eine riesige Schafsherde mit ihren Lämmchen.
Übernachtung:
Da ich in Brighton vom Preis-Leistungs-Verhältnis der Hotels direkt am Strand einfach nicht überzeugt wurde, haben wir uns entschieden ausserhalb der Stadt in Rottingdean zu übernachten. Vom White Horses Hotel (4*) sind es nur 20 Minuten mit dem Auto (oder Bus) oder 1,5h zu Fuß direkt am Meer entlang nach Brighton. So hatten wir ein wundervolles Zimmer mit Blick auf’s Meer in einem richtig schönen, kleineren Boutique-Hotel, dafür aber mit kostemlosen Parkplatz und für rund 50 € weniger am Tag als in einem vergleichbaren Hotel direkt in der Stadt. Der 12er Bus fährt euch für £9,50 (für 2 Personen) direkt hinter dem Hotel nach Brighton und zurück – ihr könnt das Auto also stehen lassen.
Zudem konnte man hier auch richtig gut Frühstücken (£18 pro Person) und Abendessen. Haben wir dann gleich 2x gemacht – mit Blick auf’s Meer. Herrlich. War die absolut beste Hotel-Entscheidung in diesem Urlaub.


Tag 7 + 8: Brighton
Auf Brighton hatte ich mich eigentlich am meisten gefreut, was nicht immer eine gute Vorraussetzung ist, denn dann sind die Erwartungen meist etwas hoch – ob sie erfüllt wurden?
Wir haben uns recht früh am Morgen direkt in den Bus Richtung Innenstadt gesetzt und uns bei The Trading Post erstmal unfassbar guten Kaffee gegönnt und ein kleines Croissant als Frühstück auf die Hand bevor wir Richtung Meer gelaufen sind. So früh am Morgen war es noch herrlich leer und ruhig.
Unserer erste Amtstat (die ich in fast jeder größeren Stadt, die das anbietet gerne tue) war eine City-Sightseeing Bus-Rundfahrt mit dem HopOnHopOff-Bus*. So bekommt man einen tollen Überblick über die Stadt, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kann direkt mal einordnen, wo man später noch mehr Zeit verbringen will. Das Tolle an der Tour in Brighton ist, dass der Bus auch weit ausserhalb der Stadt unterwegs ist – wo man zu Fuß sicher nie gelandet wäre. So sieht man auch die Galopprennbahn an der man direkt parallel vorbei fährt und sie sogar kreuzt, sowie die Brighton Marina (mit Shops, Restaurants und MiniGolf). Der Bus fährt etwa 1h und dank Audioguide bekommt man noch viel Wissen mit auf den Weg – hat sich für uns total gelohnt und kann ich jedem nur empfehlen. Den Bus könnt ihr mit eurem Ticket am Tag so oft nutzen wie ihr möchtet.
Danach ging es direkt am Strand 150 Meter in die Höhe mit dem i360* mit Panoramablick in alle Richtungen. Leider war bei uns die Klimaanlage ausgefallen und obwohl es draussen nur angenehme 20°C hatte, war es dort drinnen für mich fast nicht auszuhalten. Für alle mit Höhen- oder Engeproblemen: seid euch im Klaren, dass die Kugel ca. 15 Minuten benötigt, um dann wieder unten anzukommen. Aber der Blick ist einzigartig,
Eigentlich hatten wir noch einige Museen (Brighton Museum & Art Gallery und Royal Pavillion*) auf der To-Do-Liste, aber das Wetter war so schön mild und sonnig – viel zu angenehm um den Tag indoor zu verbringen.
Also sind wir durch die Innenstadt gelaufen, durch die berühmten The Lanes (kleine Gässchen, die nur zu Fuß zu finden sind) und haben uns vor allem an der Promenade und dem Pier die Zeit vertrieben.
Ganz Brighton versprüht einen ganz bestimmten Charme – alt-englisch und mit viel Nostalgie. An etlichen Orten wurde gebaut und renoviert, Parks wurden gesperrt zur neuen Bepflanzung – Vieles ist schon etwas in die Jahre gekommen ist und die besten Zeiten hinter sich hatte. Die Stadt ist im Umbruch. Wer alte Colleges oder Bauten wie in Cambrigde oder Oxford erwartet, ist hier leider fehl am Platz.
Wer mal an der Küste unterwegs ist oder einen Tagesausflug von London aus machen möchte, der kann durchaus mal 1-2 Tage in Brighton verbringen.






Tag 9 + 10: London
Über London werde ich hier gar nicht viel Worte verlieren, denn ich habe bereits einen großen London-Blogartikel, der detailliert alle Infos und Tipps zusammengefasst hat. Solltet ihr noch nie in London gewesen sein, würde ich euch durchaus Minimum 3-4 Tage empfehlen, um einen besseren Überblick zu bekommen. 2 Tage wären etwas gehetzt.
Im genannten Artikel findet ihr auch alle Hotels, in denen ich bereits in London übernachtet habe und die ich empfehlen kann.
Fazit:
Auf jeden Fall war dieser England-Roadtrip mal wieder wunderbar und unvergesslich. Gerade im Frühling ist England einfach ein tolles Reiseziel. Es ist noch nicht furchtbar überlaufen, die Temperaturen sind meist milder als bei uns und Alles fängt das Blühen an oder blüht bereits. Man muss nicht nach Japan fliegen, um schöne Kirschblüten zu sehen.
Werbung // Alle mit * versehenen Attraktionen haben wir vergünstigt oder kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Meinung ist dadurch nicht beeinträchtigt worden. Thanks to English Heritage, Visit Brighton and CitySightseeing Brighton for hosting us.
